Redaktionssysteme und Übersetzungen

Zu den Aufgaben von ProjektmanagerInnen für Übersetzungen gehört nicht nur die Termin- und Budgetüberwachung von Aufträgen bzw. das Hin- und Herschicken der Texte zwischen dem Kunden und den LinguistInnen: professionelle ÜbersetzungsmanagerInnen haben ein gutes Verständnis von den Prozessen, die auf beiden Seiten der Barrikade verlaufen, und können somit mit diesem Know-how den Übersetzungsprozess effizienter gestalten und je nach den Anforderungen jedes einzelnen Auftrags fein justieren. Bei neo sind alle ÜbersetzungsmanagerInnen ausgebildete ÜbersetzerInnen und müssen zusätzlich zu Ihren Fachkompetenzen fundierte Kenntnisse der Prozesse auf Kundenseite (die in den universitären Curricula meistens nur oberflächlich abgedeckt sind) aufbauen.

Bevor ich angefangen habe bei neo zu arbeiten, waren mir die Abläufe in den Abteilungen Technische Dokumentation nur sehr oberflächlich bekannt: in einem System werden Textteile gespeichert, die dann je nach Bedarf in einen oder mehrere Dokumente zusammengepackt werden.

Innerhalb der ersten Wochen bei neo durfte ich mit meinen KollegInnen an einem Webinar über das Redaktionssystem SCHEMA ST4 teilnehmen. Mit dem theoretischen Wissen ausgestattet und dem praktischen Einblick im Rahmen der Organisation meiner Kunden wurden viele Sachen deutlich klarer. Das hilft um als Übersetzungsmanagerin auf mögliche Fehlerquellen besonders genau achten zu können.

Warum kann es problematisch werden, wenn LinguistInnen High-Matches ändern bzw. neue Übersetzungen nicht an High-Matches anpassen?

Weil wir sehr oft nicht das ganze Dokument zur Übersetzung bekommen, sondern nur die „neu“ dazugekommenen Textbausteile - die alten Knoten können im gesamten Enddokument durchaus ebenso vorkommen. Wenn also LinguistInnen einen Match aus geschmacklichen Gründen ändern, kreieren sie dadurch sehr wahrscheinlich Inkonsistenzen, die vor allem bei der technischen Dokumentation zu vermeiden sind.

Warum ist es so wichtig, sich nicht blind auf die Übernahme von Tags durch das CAT-Tool zu verlassen und den QA-Check immer mit Anzeige vollständigen Tag-Textes durchzuführen?

Weil die CAT-Tools auch ab und zu nicht sauber arbeiten und wenn in einer XML-Datei (Austauschformat von den meisten grossen Redaktionssystemen) die Tags fehlerhaft sind, kann die Übersetzung nicht mehr importiert werden bzw. mit etwas Pech das ganze System beim Kunden abstürzen.

Warum ist es so wichtig, eine Terminologie sowohl in der Quellsprache als auch in den Zielsprachen möglichst frühzeitig festzulegen und genau zu pflegen?

Weil die Eindeutigkeit (d.h. eine Benennung für einen Begriff) eine der wichtigsten Grundsätze des korrekten technischen Schreibens ist, wodurch die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen und damit verbundenen Problemen minimiert wird. Ohne eine festgelegte Terminologie kann die terminologische Einheitlichkeit in den Übersetzungen natürlich auch gewahrt werden, zum Beispiel durch Konkordanzsuche und ständige Kontrolle, diese Vorgehensweise ist jedoch nicht mehr Stand der Technik, nicht zuverlässig und deswegen nur für gelegentlichen Einsatz geeignet.

Es gibt also genug gute Gründe für ÜbersetzungsmanagerInnen einen genaueren Blick auf die Funktionsweise von Redaktionssystemen ihrer Kunden im Kontext von Übersetzungen zu werfen. Ausserdem finden wir bei neo, dass man nie genug lernen kann und als Spezialist immer neugierig bleiben sollte.  

Ich freue mich auf Ihre Gedanken zu diesem Thema: anastasiia.zazirna[at]neo-comm.ch